Türk Dış Politikası Konferansı - Rede zur türkischen Außenpolitik

M. Türker ARI 16.04.2012
Meine Damen und Herren,

ich möchte nun über die wichtigsten Bereiche der türkischen Außenpolitik sprechen. Heute habe ich sechs Hauptbotschaften für Sie:

1.Die Türkei ist ein selbstbewusster Staat. Wie jedes andere Land in einer ähnlichen Situation, ist sich auch die Türkei ihrer Verantwortung in der Region und darüber hinaus bewusst.

2.Die Türkei hat das Erbe des Osmanischen Reiches angetreten. Dieses Erbe bringt zusätzliche Verantwortung für die nähere, geographische Umgebung der Türkei und darüber hinaus mit sich.

3.Die Türkei ist ein Land, das zunehmend auch mit dem internationalen System in Austausch tritt.

4.Dank ihrer Werte und ihrer aktiven Außenpolitik ist die Türkei in der Lage, das internationale System zu beeinflussen. Daher übernimmt die Türkei immer mehr Verantwortung wie beispielsweise in der Krisenprävention und der Vermittlung im internationalen Bereich.

5.Die Türkei ist eine große und produktive Volkswirtschaft. Die Bevölkerung ist jung, dynamisch und gebildet. All diese Faktoren lassen ein weiteres Anwachsen der Wirtschaft erwarten.

6.Die Türkei ist eine pluralistische Demokratie. Als Spiegelung dieses pluralistischen Systems ist auch die türkische Außenpolitik mehrdimensional und vielschichtig. Die Türkei unterhält Beziehungen mit allen Regionen der Welt.

Meine Damen und Herren,

seit ihrer Gründung im Jahre 1923 verfolgt die Republik Türkei eine friedliche, realitätsnahe und beständige Außenpolitik, die sich auf das Prinzip “Frieden im Lande, Frieden in der Welt“ gründet. Dieses Prinzip wurde bereits von dem Gründervater der modernen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, geprägt.

Eines der Ziele der türkischen Außenpolitik ist es, sowohl in der Region, als auch darüber hinaus Sicherheit und Stabilität zu schaffen. Diese Außenpolitik gründet sich auf die demokratische und laizistische Grundordnung der türkischen Republik, ihre lebhafte und dynamische Wirtschaft und ihre Tradition, die Moderne stets mit der eigenen, kulturellen Identität in Einklang zu bringen.

Die türkische Außenpolitik ruht auf soliden Traditionen und bezieht ihre Stärke aus den Grundwerten der türkischen Republik als einem demokratischen, laizistischen und sozialen Rechtsstaat.

Heute verfolgt die Türkei eine multi-dimensionale Außenpolitik, die weniger als reaktiv, vielmehr jedoch als progressiv und vorrausschauend bezeichnet werden kann. Die türkische Außenpolitik ist zudem ergebnisorientiert, pragmatisch und realitätsnah. Ihr wichtigstes Attribut ist jedoch, dass sie als visionär gilt.

Die Säulen dieser „Vision“ sind allgemeine Sicherheit, politischer Dialog, wirtschaftliche Unabhängigkeit und kulturelle Harmonie. Im Moment strebt die Türkei die Einrichtung einer Zone des Friedens und der Stabilität an, in der alle Länder in Wohlstand leben.

Es obliegt der Türkei, innerhalb ihrer Region mehr Verantwortung zu übernehmen. Es ist eine Tatsache, dass eine der wenigen Gemeinsamkeiten vieler Länder dieser Region, die hinsichtlich unterschiedlichster, tiefsitzender Themen vollkommen unterschiedlicher Ansicht sind, allein das Vertrauen in unser Land ist.

Zudem haben wirtschaftlicher Erfolg und gefestigte demokratische Strukturen den Wirkungskreis der türkischen Außenpolitik erweitert und ihre Macht und ihren Einfluss erhöht.

Der Diskurs “Zero problem with neighbors /kein Problem mit den Nachbarn” umschreibt sehr treffend die Erwartungen der Türkei an die Beziehungen mit ihren Nachbarstaaten. Vielleicht werden wir im Anschluss an meinen Vortrag Gelegenheit haben, näher auf diesen Punkt einzugehen.

Die geographische Lage der Türkei ist einzigartig; zwischen unterschiedlichen Kontinenten und Regionen. Daher ist es auch von Relevanz, die einzelnen Regionen näher zu betrachten.

Zunächst möchte ich auf unsere Beziehungen mit den europäischen Ländern eingehen.

Wir sehen, dass Europa immer noch einen Prozess der Transformation und der Reformen durchläuft. Dieser Prozess, der den zukünftigen Weg Europas beleuchtet zeigt, dass das Bewahren und die Stärkung der Position Europas als einer „Dominanten Macht“ der globalen Welt der Zukunft vom Erfolg der europäischen Integration abhängen.

Wir beobachten zudem auch, dass die erhebliche Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten von Amerika, der schnelle Aufstieg vieler asiatischer und südamerikanischer Länder - im Besonderen Chinas – und die positive Entwicklung Afrikas die Zukunft der europäischen Wirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die 2008 begann und deren Auswirkungen bis heute deutlich spürbar sind, wurden auch Griechenland und andere große europäische Volkswirtschaften erschüttert und der europäische Finanzsektor überlebte letztlich nur Dank erheblicher staatlicher Finanzhilfen.

Die Türkei ist seit Jahrhunderten Teil der westlichen Geschichte. Sie bereicherte und bereichert Europa und die gesamte westliche Welt in vielerlei Hinsicht. Sie sorgt für eine geographische Tiefe des europäischen Kontinents und trägt zur ethnischen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas bei. Die Türkei ist ein aktives Mitglied aller wichtigen, in Europa vertretenen internationalen Organisationen und ihre EU-Mitgliedschaft ist daher ein strategisches Ziel. Entgegen aller künstlichen, politischen Hindernisse strebt die Türkei weiterhin eine EU-Vollmitgliedschaft an.

Alle bilateralen Beziehungen der Türkei mit den Ländern der Europäischen Union entwickeln sich zeitgleich und in Übereinstimmung mit dem strategischen Ziel der EU-Mitgliedschaft. Gleichzeitig vertiefen sich auch die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Europa; mehr als die Hälfte des gesamten türkischen Außenhandels wird in Europa getätigt.

Mehr als fünf Millionen Menschen türkischer Herkunft leben in Ländern der Europäischen Union und bilden eine verlässliche Grundlage zukünftiger, zwischenstaatlicher Beziehungen. Wir ermuntern die türkische Gemeinde, die in europäischen Ländern lebt immer wieder, sich einzubringen und sowohl im politischen, als auch im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben dieser Länder mehr Verantwortung zu übernehmen und dabei die eigene kulturelle Identität weiterhin zu bewahren.

Innerhalb aller europäischen Länder nimmt Deutschland für die Türkei in geschichtlicher und außenpolitischer Hinsicht einen besonderen Platz ein.

Nach der Unterzeichnung eines Friedens- und Freundschaftsvertrags mit dem Preußischen Königshaus im Jahre 1790, intensivierte das Osmanische Reich seine militärische Zusammenarbeit mit Deutschland, im Besonderen während der Regentschaft von Sultan Abdülhamid II. Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich beschränkten sich nicht nur auf ihr Alliierten-Verhältnis während des ersten Weltkriegs. Beide Länder arbeiteten auch in Bezug auf unterschiedliche Großprojekte wie beispielsweise die Konstruktion der Bagdad– Eisenbahn immer wieder eng zusammen.

In Deutschland leben nahezu drei Millionen Menschen türkischer Herkunft. Unser bilaterales Handelsvolumen erreicht jährlich rund 25 Milliarden Euro. Rund vier Millionen deutsche Touristen besuchen die Türkei jedes Jahr.

Heute pflegen die Türkei und Deutschland ein freundschaftliches Verhältnis und arbeiten in unterschiedlichen Bereichen gut und eng zusammen. Auch die Staatsbesuche hochrangiger Politiker beider Länder sind ein Zeichen dieser hervorragenden Beziehungen.

Mein zweites Thema sind die Beziehungen mit den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens

Die Türkei verbindet eine besondere geschichtliche, kulturelle und soziale Nähe mit den Ländern und Völkern des Nahen und Mittleren Ostens. Daher haben wir auch ein großes Interesse für Entwicklungen in dieser Region. Die Türkei wünscht sich Frieden, Stabilität und Wohlstand für die Länder des Nahen und Mittleren Ostens und unterstützt alle Bemühungen in diesem Zusammenhang tatkräftig und aktiv. Bei Bedarf ergreift die Türkei auch die Initiative, um Krisen zu bewältigen und Lösungen zu finden.

Die Vision der Türkei in Bezug auf den Nahen und Mittleren Osten ist bleibender Friede, Stabilität, Sicherheit und die Gewährleistung eines nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwungs. Mein Land ist stets bemüht, Probleme durch Dialog zu lösen und soziale und kulturelle Bindungen zu stärken. Unser Ansatz ist “Kein Problem mit den Nachbarn” und sämtliche außenpolitischen Schritte, die Region wieder zu einen, folgen diesem Grundsatz. Die Türkei bemüht sich daher sowohl im bilateralen, als auch im multilateralen Austausch, bereits bestehende Beziehungen auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens auf institutioneller Ebene zu vertiefen. In diesem Rahmen sind unterschiedliche Plattformen, wie beispielsweise das Forum für Türkisch-Arabische Kooperation und der hochrangige, strategische Dialog der Türkei mit dem Golf-Kooperations-Rat von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus etablierte mein Land mit dem Irak, Syrien und dem Libanon bilaterale Gremien zur strategischen Kooperation ranghoher Funktionsträger. Momentan werden Wirtschaft, Transport, Energie und Tourismus vorrangig behandelt.

An dieser Stelle möchte ich auch über die international als “Arabischer Frühling” bekannten Entwicklungen sprechen.

Von Beginn an verstand die Türkei die gesellschaftlichen Bewegungen im Nahen und Mittleren Osten und in Nordafrika als Ausdruck berechtigter Forderungen und Erwartungen der Völker dieser Länder, die nicht länger unbeachtet bleiben dürfen. Die Türkei bewertet die Bewegungen des Umschwungs und des Wandels, die im Grunde eher in die 1990’er Jahre und die Zeit nach Beendigung des Kalten Krieges passen, als Wendepunkt, der den natürlichen Verlauf der Geschichte wieder herstellt. Mein Land hat wiederholt betont, dass Veränderungen und Wandel in diesen Ländern seit jeher überfällig sind. Mein Land ist davon überzeugt, dass nachhaltige Stabilität nur durch die Sicherstellung von Frieden, Sicherheit und Wohlstand gewährleistet werden kann. Daher pocht mein Land auch in äußerst schwierigen Zeiten des Wandels stets darauf, dass der Prozess des Umbruchs friedlich verläuft, dass Gewalt und im Besonderen die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt vermieden werden, dass die Souveränität der betroffenen Staaten sowie deren territoriale und politische Einheit gewahrt bleibt und dass keine ethnischen, konfessionellen und religiösen Spaltungen stattfinden.

Die neuesten Entwicklungen führen sowohl zu großen Chancen, als auch ernst zu nehmenden Problemen. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Regierungen der betroffenen Länder politische, soziale und wirtschaftliche Reformen, die den Anforderungen unserer Zeit entsprechen, umsetzen müssen. Diese Reformen müssen zudem der eigenen, inneren Dynamik und den Erwartungen des eigenen Volkes genügen, in einem offenen Dialog gemeinsam festgelegt und dann schnell umgesetzt werden. Mein Land ist immer gerne bereit, seine eigenen demokratischen Erfahrungen sowie seine geschichtlichen, institutionellen und praktischen Erkenntnisse zu teilen. Es war jedoch nie unser Ziel, eine Vorbildfunktion einzunehmen, denn jedes Land verfügt über eigene, geschichtlich gewachsene innere Dynamiken und muss daher auch seinen eigenen, individuellen Weg gehen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich nun auch mit einigen Worten auf die neuesten Entwicklungen in Syrien eingehen.

Die Türkei misst der Entwicklung ihrer nachbarschaftlichen Beziehungen mit Syrien, mit dem sie in sozialer, historischer und kultureller Hinsicht verbunden ist, große Bedeutung bei. Die hochrangig besetzten, strategischen türkisch-syrischen Gipfeltreffen sollen den Friedensprozess weiter voranbringen und Sicherheit, Stabilität und eine verlässliche wirtschaftliche Entwicklung der Region gewährleisten. Des Weiteren sollen aber auch das gegenseitige Vertrauen und die Bande zwischen Türken und Syrern gestärkt werden. Die Türkei unterstützt die legitime Forderung des syrischen Volkes nach Reformen. Die Umsetzung dieser Reformen und ein Fortschritt des Demokratisierungsprozesses in Syrien würden auch unserer Politik „Kein Problem mit den Nachbarn“ entgegenkommen.

Zur friedlichen Lösung der Konflikte in Syrien wurde die „Freundschaftsgruppe des Syrischen Volkes“ ins Leben gerufen. Die zweite Konferenz dieser Freundschaftsgruppe fand er vor kurzem, am 1. April 2012 in Istanbul statt. Wir freuen uns, dass insgesamt 83 Länder, sowie Vertreter der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und der Europäischen Union teilnahmen.

Die Freundschaftsgruppe bekräftigte ihre Absicht, die gerechtfertigten Forderungen des syrischen Volkes zu unterstützen. Die Freundschaftsgruppe unterstrich zudem, dass die Zukunft Syriens allein vom syrischen Volk bestimmt werden solle und dass sie dieses unterstützen werde, bis all seine legitimen Forderungen erfüllt worden seien. In diesem Zusammenhang betonte die Freundschaftsgruppe auch ihre volle Unterstützung für die Souveränität, Unabhängigkeit, politischen Einheit und territorialen Souveränität Syriens. Vor kurzem verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution über die Entsendung von Beobachtern nach Syrien.

Drittens, die Beziehungen mit den Ländern der südlichen Kaukasusregion

Die Türkei ist historisch und kulturell eng mit den Ländern der südlichen Kaukasusregion verbunden. Die Länder des Südkaukasus liegen an der Schnittstelle der größten Energie-, aber auch anderer Transportkorridore Eurasiens. Infolge dessen sind die Stabilität, der Frieden und der Wohlstand dieser Region auch von entscheidender Bedeutung für die Türkei.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erkannte die Türkei die Unabhängigkeit der neu entstandenen Länder pauschal an und nahm bilaterale Beziehungen mit Aserbaidschan, Georgien und Armenien auf. Die Türkei unterstützt diese Länder auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die Beziehungen und die intensive Zusammenarbeit meines Landes mit Aserbaidschan und Georgien verbessern sich stetig. Reguläre bilaterale hochrangige Besuche sind ein weiterer Aspekt unserer guten, nachbarschaftlichen Beziehungen.

Unglücklicherweise ist es uns bislang nicht gelungen, mit Armenien ähnlich gute Beziehungen aufzubauen. Zwei Gründe hierfür sind zum einen entgegengesetzte, türkisch-armenische Betrachtungen der Geschichte und zum anderen die Besetzung von bis zu 20% aserbaidschanischen Gebietes durch Armenien im Jahre 1993. Vielleicht können wir auch dieses Thema in der anschließenden Diskussion noch weiter vertiefen.

In Bezug auf die südkaukasischen Länder ist die türkische Außenpolitik stark von dem Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit geprägt. Die Türkei misst der Stärkung international anerkannter, territorialer Integrität sowie der Nutzung von wirtschaftlichem Potential große Bedeutung bei. Mein Land unterstützt zudem auch aktiv alle Bestrebungen dieser Länder in Richtung einer Integration in die Euro-Atlantischen Bündnisse.

Die strategische Bedeutung der Region zeigt ich auch anhand von Großprojekten wie dem Bau der Öl-Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan, der Gas-Pipeline Baku-Tiflis-Erzurum und der Eisenbahnstrecke Baku-Tiflis-Kars.

Die Türkei ist der festen Überzeugung, dass eine friedliche Lösung aller Konflikte im Kaukasus zur politischen Stabilität und dem wirtschaftlichen Wohlstand all dieser Länder beitragen wird und dass sich damit auch neue Möglichkeiten der bilateralen und regionalen Kooperation ergeben würden.

Viertens, die Beziehungen der Türkei mit den Ländern des Balkans

Aus geographischer, wirtschaftlicher, kultureller und auch historischer Sicht ist der Balkan für uns von besonderer Bedeutung.

Nach dem Zerfall von Jugoslawien herrschte auf dem Balkan große politische Instabilität, die sich letztlich sogar zu einer ernsthaften Bedrohung für den internationalen Frieden entwickelte. In den 1990er Jahren war die Region zerstörerischen Kriegen und ethnischen Säuberungen ausgesetzt. Die Unabhängigkeitserklärungen von Montenegro 2006 und des Kosovo 2008 markierten jedoch das Ende der Konflikte und einer abschließenden Festlegung der politischen Geographie des Balkans.

Als Teil des Balkans -wir verfügen über Gebiete in der Region Thrakien - misst die Türkei ihren Beziehungen mit den anderen Ländern des Balkans große Bedeutung bei. Auch die vielfältigen persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen und Völkern des Balkans und der Türkei sind historischen Ursprungs und haben bis heute Bestand. Viele Menschen türkischer Herkunft und deren Nachfahren leben auf dem Balkan und viele Menschen, die ursprünglich aus dem Balkan stammen, leben heute in der Türkei. Daher wirkt sich jede Krise auf dem Balkan unmittelbar und nachhaltig auf die Menschen in der Türkei aus und die Sicherung und der Erhalt von Frieden und Stabilität auf dem Balkan sind für die Türkei essentiell.

Mein Land beobachtet alle Entwicklungen, die die Zukunft der Region bestimmen könnten.

Während der Krisen in Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo war die Türkei aktiv in den entscheidungsfindenden Gremien der internationalen Repräsentanz der Region vertreten. Eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele der Länder dieser Region ist es, Teil der Euro-Atlantischen Institutionen zu werden. Die Türkei ermuntert und unterstützt diesen Wunsch der Balkan-Staaten, denn die beständigen Bestrebungen sich zu integrieren sind die beste Voraussetzung für dauerhaften Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Region. Dieser Prozess wird jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Fünftens, die Beziehungen der Türkei mit den Ländern Zentralasiens.

Die Unabhängigkeit der zentralasiatischen Republiken erweiterte die türkische Außenpolitik um eine weitere Dimension. Mein Land hat gemeinsame sprachliche, historische und kulturelle Beziehungen mit diesen Ländern.

Die Türkei unterstützt die Bestrebungen der zentralasiatischen Länder, demokratische Werte zu stärken und im Hinblick auf eine Integration in die internationale Staatengemeinschaft sowohl politische, als auch wirtschaftliche Stabilität zu erreichen.

Die Türkei initiierte die „Konferenz der Turko –Sprachigen Länder“, die seit 1992 regelmäßig stattfindet. Diese Konferenz stärkt die Solidarität zwischen den Turko-sprachigen Ländern und schafft neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Dank des Vertrags von Nakhichevan bezüglich der Einrichtung eines Rates für Zusammenarbeit der Turko-sprachigen Staaten, der 2009 unterzeichnet wurde, hat die Konferenz bereits institutionellen Charakter.

Unsere Wirtschaftsbeziehungen mit den Republiken Zentralasiens haben sich schnell entwickelt. Ein erheblicher Fortschritt wurde in den Bereichen des Handels, Transports und der Kommunikation erzielt. Das türkisch – zentralasiatische Außenhandelsvolumen belief sich 2010 auf rund 6,5 Milliarden US-Dollar. Sämtliche Investitionen, die von türkischen Firmen in diesen Regionen getätigt wurden, belaufen sich auf rund 30 Milliarden US-Dollar. Beinahe 2000 türkische Firmen sind in Zentralasien tätig.

Unsere Beziehungen haben sich auch im Bereich der Kultur und Bildung stark entwickelt. 1993 wurde eine internationale Organisation gegründet, die die türkische Kultur, Kunst und Sprache sowie das gemeinsame geschichtliche Erbe bewahren soll.

Das sechste und letzte Thema: Unsere Beziehungen mit Afrika; der Kontinent, auf dem ich drei Jahre lang gearbeitet habe.

Die Türkei pflegt traditionell gute Beziehungen mit dem afrikanischen Kontinent. 1998 wurde eine neue Politik der Öffnung gegenüber den afrikanischen Ländern angestoßen. Wir sind bestrebt, unseren politischen, wirtschaftlichen, kommerziellen und kulturellen Austausch mit den Nationen Afrikas zu verbessern und auszubauen.

Unsere Außenpolitik ist jedoch nicht allein unseren wirtschaftlichen Interessen geschuldet. Vielmehr ist sie Teil eines umfassenden, ganzheitlichen Verständnisses: Der Entwicklung Afrikas durch technische Unterstützung, Projekthilfe bei der Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen, der landwirtschaftlichen Entwicklung, der Bewässerung, der Energieversorgung, der Bildung und der regulären Bereitstellung humanitärer Hilfe.

Die Türkei begrüßte auch die Entscheidung des 10. Afrika Gipfeltreffens im Januar 2008, in der sie zum strategischen Partner erklärt wurde.

An dem Türkei-Afrika Gipfeltreffen, das vom 18. bis zum 21 August 2008 in Istanbul tagte, nahmen insgesamt 49 afrikanische Länder teil. Dieses Gipfeltreffen sehen wir auch als Beginn eines verlässlichen und regelmäßigen Austausches und einer vertieften Zusammenarbeit.

Im Rahmen des ersten Afrika-Türkei Gipfeltreffens 2008 wurde die Erklärung von Istanbul bezüglich der türkisch-afrikanischen Partnerschaft, Zusammenarbeit und Solidarität für eine gemeinsame Zukunft nebst entsprechenden Richtlinien verabschiedet. Das zweite Afrika-Türkei Gipfeltreffen ist für 2013 geplant.

Wir legen besonderen Wert auf die Sicherung des Friedens und der Stabilität in Afrika und sind auch Teil der Missionen der Vereinten Nationen, die in Afrika stationiert sind. Im Moment stellt die Türkei Personal sowie Finanzhilfen für sechs der insgesamt acht UN-Missionen in Afrika.

In jüngster Vergangenheit beschloss die Türkei, in afrikanischen Ländern mehr als 15 neue Botschaften zu eröffnen. Bislang verfügt die Türkei über 20 Botschaften in Afrika, von denen sich alleine 15 in Subsahara-Afrika befinden.

Damit möchte ich meine allgemeinen Anmerkungen zur türkischen Außenpolitik abschließen. Ich freue mich auf ihre Fragen.

Eventuelle Fragen:

Die Ereignisse im Jahre 1915 und die entgegengesetzten türkisch-armenischen Auffassungen der gemeinsamen Geschichte.

Die letzten Jahre des Osmanischen Reiches müssen im Zusammenhang und in der Gesamtheit betrachtet werden. Zudem sollte auch das Andenken an alle Menschen, die in dieser Zeit ihr Leben verloren haben, geachtet und mit Respekt behandelt werden.

Die armenische Darstellung der Geschichte sieht nur das Leid des armenischen Volkes. Die Akzeptanz dieser Version der Geschichte ist zum wichtigsten Ziel Armeniens und vieler radikaler Gruppen innerhalb der armenischen Diaspora geworden. Durchaus nachvollziehbare und gerechtfertigte Fragestellungen bezüglich der armenischen Version der Geschichte werden, selbst wenn diese auf wissenschaftlichen Untersuchungen oder auch persönlichen Lebenserfahrungen beruhen – als Propaganda abgetan, unterdrückt oder sogar als „Verleugnung“ bezeichnet.

In der Folge erscheinen das freundschaftliche, tolerante und friedliche türkisch-armenisches Zusammenleben, das über acht Jahrhunderte andauerte, in Vergessenheit zu geraten. Anstelle dessen wird heute eine belastende Version der tragischen Ereignisse im Jahre 1915 zur Charakterisierung der türkisch-armenischen Beziehungen bemüht. In einer solchen Atmosphäre ist es für beide Länder schwer, sich offen mit der Vergangenheit und den Ereignissen des ersten Weltkriegs auseinander zu setzen, die richtigen Schlussfolgerungen aus der gemeinsamen Geschichte zu ziehen und - anstelle von Feindseligkeiten – die Freundschaft zu erneuern. Darum hat mein Land einen Prozess angestoßen, in dem es einen offenen und ehrlichen Dialog sucht.

Die Türkei leugnet das Leiden und auch den Tod vieler unschuldiger Armenier während des ersten Weltkriegs nicht. Dennoch starben in den Jahren unmittelbar vor und auch während des ersten Weltkriegs mehr Türken. Die Türkei lehnt daher eine einseitige Darstellung der geschichtlichen Tragödie dieser Jahre ab.

1915 ordnete die Regierung des Osmanischen Reiches eine Umsiedlung der Mehrheit der armenischen Bevölkerung, die innerhalb oder auch in der Nähe des Kriegsgebietes lebte, an. Sie sollte in die südlichen Provinzen des Osmanischen Reiches, weit entfernt von den Kriegsgebieten, die auch von der russischen Armee bedroht wurden, ziehen.

Diese Entscheidung betraf jedoch keinesfalls die Armenier in Istanbul, Edirne, Kütahya und Aydın. Daher ist es verständlich, dass diese Entscheidung nur die Armenier betraf, die im östlichen Teil des Osmanischen Reiches lebten oder sich gegen die Führung des Osmanischen Reiches erhoben. Doch in Zeiten des Krieges wurde diese Weisung zur Tragödie. Dennoch gibt es keinen authentischen Beweis, der die Anschuldigungen der armenischen Seite stützt, es sei der Plan des Osmanischen Reiches gewesen, die Armenier zu töten.

Weder das nationale Gedächtnis der Türken, noch der Armenier stützt diese unterschiedlichen Thesen. Daher ist es umso wichtiger, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und eine gemeinsame, verlässliche Grundlage der Information zu schaffen.

Das “Protokoll zur Einrichtung Diplomatischer Beziehungen ” und das “Protokoll zur Entwicklung von Beziehungen“, die 2009 in Zürich unterzeichnet wurden, stellen einen bedeutenden Schritt im Normalisierungsprozess unserer bilateralen Beziehungen dar. Diese beiden Abkommen unterstützen einen “Dialog über die historischen Dimensionen mit dem Ziel, gegenseitiges Vertrauen zwischen zwei Nationen zu etablieren, die wissenschaftliche Aufarbeitung historischer Quellen und Archive voranzutreiben, die bestehenden Probleme zu umschreiben und daraufhin Empfehlungen auszusprechen”.

Sobald die entsprechenden Protokolle sowohl von der Türkei, als auch von Armenien ratifiziert worden sind, wird diese gemeinsame geschichtliche Aufarbeitung hoffentlich auch das Material einiger sehr umstrittener armenischer Archive einbeziehen können, die – entgegen den türkischen Archiven–immer noch verschlossen sind.

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