Schlossgarten Grubu için Türk Dış Politikası Konferansı / Konferenz zur Außenpolitik der Republik Türkei für die Schlossgarten-Gruppe

M. Türker ARI 05.12.2012
Sehr geehrter Herr von Maur,
sehr geehrter Herr Arndt,
meine Damen, meine Herren,

ich freue mich, Ihr Gast zu sein und bedanke mich herzlich für die Einladung.

Der deutsche Philosoph Wilhelm Friedrich Hegel sagte: „Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“. Mit diesen Worten möchte ich meinen Vortrag zur türkischen Außenpolitik beginnen. Bevor ich jedoch über das außenpolitische Handeln meines Landes in Bezug auf einzelne Regionen spreche, werde ich auf einige strategische Aspekte eingehen.

Außenpolitik der Republik Türkei

Wir leben in einer Welt des Wandels und der schnellen Veränderungen. Daher hat auch die Außenpolitik einen komplexeren Charakter angenommen: Risiken und Herausforderungen sind vielfältiger und grenzüberschreitend. Zwischenstaatliche Konflikte nehmen zu, während die Zahl größerer, innerstaatlicher Konflikte zurückgeht. Wirtschaftliche Macht verlagert sich zugunsten der asiatischen Länder. Mit all diesen Entwicklungen geht auch die Herstellung eines neuen globalen Gleichgewichts einher.

Geopolitische Lage der Türkei
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Die Türkei liegt an der geographischen Schnittstelle unterschiedlichster politischer Strömungen. Angesichts der vielen positiven Entwicklungen, die mit der Globalisierung verbunden sind, hoffte auch mein Land auf mehr Stabilität und Frieden in der Region. Heute jedoch überschatten uns alte wie neue sicherheitspolitische Herausforderungen wie zum Beispiel Terrorismus, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, illegale Immigration und innerstaatliche Konflikte. Daher erscheint eine stabile und konstruktive Außenpolitik unerlässlich. Die Geschichte zeigt, dass großartige Zivilisationen in Frieden und Wohlstand leben können, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen und das vorhandene Potential zum Wohle Aller genutzt wird.

Konfliktlösung und Vermittlung
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Die Türkei liegt im Zentrum Afro-Eurasiens, einer wirtschaftlich starken, gesellschaftlich vielfältigen und kulturell reichen Region. Als Teil dieser Region setzt sich die Türkei für mehr Dialog und Zusammenarbeit ein.
Ein guter Vermittler genießt das Vertrauen aller Parteien und ist unvoreingenommen und offen. Er vertritt Werte, die von Allen anerkannt werden, hält Balance und sorgt dafür, dass keine Partei zugunsten einer anderen benachteiligt wird. Dank ihres Engagements in der Vermittlung hat sich die türkische Diplomatie international als starker und verlässlicher Partner erwiesen.

Parameter türkischer Außenpolitik
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Die Türkei hat das Erbe des Osmanischen Reiches angetreten. Sie ist sich ihrer historisch gewachsenen Verantwortung bewusst und strebt in ihrer Region und darüber hinaus nach Sicherheit, Frieden und Wohlstand. Wir wissen, dass unsere eigene Stabilität und Sicherheit auch von der Situation unserer Nachbarn abhängt.

In den vergangenen Jahren konnte die Türkei ihren Handlungsspielraum erheblich erweitern. Angesichts zunehmender, grenzüberschreitender Herausforderungen ist internationale Zusammenarbeit unerlässlich und kein Land kann Veränderungen alleine erreichen. Die Türkei strebt danach, sowohl ihre Beziehungen mit den Vereinigten Staaten, als auch mit den Ländern der Europäischen Union auszubauen. Darüber hinaus entwickeln sich die Beziehungen mit den Ländern des Balkans, des Nahen und Mittleren Ostens, Nordafrikas, dem südlichen Kaukasus und Süd- und Zentralasien. Immer wichtiger werden auch die Beziehungen zu den Ländern Lateinamerikas und dem asiatisch-pazifischen Raum – den aufsteigenden Mächten von Morgen.

Die Türkei übernimmt internationale Verantwortung in der Prävention von Krisen oder in Vermittlungsverfahren. Sie ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und beinahe in allen internationalen Organisationen - der NATO, dem Europarat, und der OSZE – vertreten. Darüber hinaus beteiligt sie sich an Missionen der UN und der NATO - wie beispielsweise in Afghanistan (Wo ich gearbeitet habe).

Die türkische Gemeinde im Ausland
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Viele Länder richten Institutionen ein, die mit den Belangen ihrer im Ausland lebenden Staatsbürger befasst sind – in der Türkei ist dies die Generaldirektion für Konsularische Angelegenheiten des Außenministeriums.

Mehr als 6 Millionen Türkinnen und Türken leben dauerhaft im Ausland. Davon rund 4 Millionen in westeuropäischen Ländern, 300.000 in Nordamerika, 200.000 im Nahen und Mittleren Osten und 150.000 in Australien.

Die Pflege der Beziehungen mit im Ausland lebenden Staatsbürgern ist in Zeiten der Globalisierung ein entscheidender Aspekt außenpolitischen Handelns und auch für mein Land gilt: “Wo unsere Staatsbürger leben, da sind auch wir.” In diesem Sinne hat die Türkei ihre Beziehungen mit den türkischen Gemeinden in den Balkan-Staaten, Osteuropa, dem Kaukasus, Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika weiter ausgebaut. Dies betrifft nicht allein Beziehungen mit staatlichen Institutionen, sondern auch mit Nicht-Regierungs-Organisationen, Universitäten und anderen Parteien.

Trotz ihres ausländischen Wohnsitzes führen viele von ihnen jedoch die türkische Staatsangehörigkeit und sind weiterhin in engem Kontakt mit der Türkei. Mein Land möchte nicht, dass die türkische Gemeinde im Ausland isoliert lebt. Vielmehr sollte sie in regem Austausch mit ihrem Lebensumfeld stehen und am politischen, sozialen und kulturellen Leben ihrer Gemeinden teilhaben.

In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff Integration bemüht. Ich denke aber, dass das Wort Integration das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen nicht treffend beschreibt. Vielmehr geht es doch um Verständnis, Offenheit und Toleranz. Es geht darum, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Und es geht darum, in Frieden, Harmonie und mit Sinn für die Gemeinschaft zusammen zu leben. Ich möchte noch einige Zahlen nennen, die den wirtschaftlichen Beitrag der türkischen Gemeinde umschreiben: In Westeuropa haben sich rund 140.000 türkische Unternehmerinnen und Unternehmer niedergelassen. Davon allein 70.000in Deutschland. In diesen Firmen sind rund 640.000 Mitarbeiter beschäftigt –rund 330.000 davon in Deutschland. Gemeinsam erreichen sie einen Umsatz von 50 Milliarden Euro – davon 32,7 Milliarden Euro in Deutschland. Türkinnen und Türken geben in Westeuropa insgesamt rund 22,7 Milliarden Euro aus.

Ökologisches Handeln
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Zukünftige soziale und wirtschaftliche Entwicklungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Schutz und dem Erhalt unserer Umwelt. Umweltzerstörung, die alle Länder unserer Erde betrifft, hat stets auch einen sozio-ökonomischen Aspekt. Luft- und Wasserverschmutzung oder die Folgen des Klimawandels kennen keine politischen Grenzen und stellen eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit und ihre Produktivität dar. Um globalen Umweltproblemen wirksam zu begegnen, ist globales Handeln sowohl auf bilateraler, als auch auf multilateraler Ebene notwendig und viele internationale Organisationen wie die UN, die OECD oder die OSCE engagieren sich bereits für ein international-vernetztes, ökologisches Handeln.
Als Teil der Weltgemeinschaft unterstützt die Türkei die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen und deren Entwicklungsziele. Es gibt Insgesamt 8 Entwicklungsziele, die bis 2015 erreicht sein sollen. Dazu zählen beispielsweise die Abschaffung extremer Armut und Hunger, Gleichberechtigung von Mann und Frau oder der Rückgang von Kindersterblichkeit. Die Türkei engagiert sich sowohl innen- als auch außenpolitisch für die Umsetzung dieser Ziele und hat in den vergangenen Jahren bereits viel in die Entwicklung und den Einsatz fortschrittlicher, sauberer und effizienterer Technologien sowie die Diversifizierung ihrer Energieproduktion investiert.

Wirtschaftliches Kapital der Türkei
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Wirtschaft ist eine Grundlage politischen Handels. Daher möchte ich nun über das wirtschaftliche Kapital der Türkei sprechen: Die Türkei hat sich schnell von den Folgen der Weltfinanzkrise erholt und ist heute eines der Länder, das am wenigsten von der Weltwirtschaftskrise betroffen ist. Von 2002 bis 2011 wuchs die türkische Wirtschaft um rund 6 Prozent. Der IMF sagte der türkischen Wirtschaft für 2012 ein Wachstum von rund 2,3% voraus. Damit weist mein Land innerhalb Europas eine der schnellsten Wachstumsraten auf. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von rund 3 Milliarden Dollar und einem jährlichen Handelsvolumen von rund 375 Milliarden Dollar ist mein Land die 16. größte Volkswirtschaft der Welt und innerhalb Europas die sechst Größte.

Energie
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Mit Wirtschaftswachstum geht eine Steigerung des Energieverbrauchs einher. Nach China weist die Türkei das weltweit größte Wirtschaftswachstum auf. Dies führt zu einem stetig wachsenden Energieverbrauch - die Energieproduktion der Türkei ist nach wie vor jedoch begrenzt und mein Land bislang noch gezwungen, Energie zu importieren. Momentan werden nur 26 Prozent des türkischen Energiebedarfes durch eigene Energie abgedeckt. Daher ist es unser langfristiges Ziel, die Energieproduktion zu erhöhen.

Die Türkei strebt danach, ihre Energieversorgung vielfältiger zu gestalten. In diesem Zusammenhang gewinnt die Erzeugung erneuerbarer und nuklearer Energien zunehmend an Bedeutung. Die Türkei verfügt über große Potentiale zur Produktion erneuerbarer Energien (Hydro-, Solar- und Windenergie). Bis 2023 sollen rund 30 Prozent des türkischen Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt sein.

Am 26. Januar 2009 (sechs und zwanzigsten Januar zwei tausend neun) fand in Bonn die erste Konferenz der “Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien” (IRENA) statt. Die Türkei nahm teil und unterzeichnete gemeinsam mit weiteren 75 Ländern die Gründungsstatuten der IRENA. Im Zuge des EU-Harmonisierungsprozesses wurden auch in der Türkei bereits Schritte eingeleitet, um den türkischen Energiemarkt zu liberalisieren.

Die Türkei liegt in geographischer Nähe von rund 72 Prozent der globalen Gasreserven und rund 73 Prozent der globalen Ölreserven. Aufgrund dieser Lage ist mein Land eine „Energiebrücke“ zwischen Ländern, die Rohstoffe fördern und Ländern, die diese importieren.

Einige Pipelines bzw. Pipelineprojekte tragen maßgeblich zur Energiesicherheit Europas bei. Dies ist zum einen die Baku-Tiflis-Ceyhan (BTC) Pipeline. Sie ist mit rund 1760 Kilometern die zweit-längste Pipeline der Welt und transportiert bis zu 1.2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Die Trans-Anatolien Pipeline (TANAP) ist ein weiteres zukunftsweisendes Energieprojekt in der Energieversorgung Europas. Sie soll 2018 fertiggestellt sein und jährlich rund 16 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren. Die Nabucco-Gas-Pipeline soll 2017 fertiggestellt sein und über eine Strecke von 3,893 Kilometer rund 31 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach Österreich transportieren.

Politisches Kapital der Türkei
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Die Türkei ist eine große, stabile und schnell wachsende Volkswirtschaft mit einer sehr jungen, dynamischen und gebildeten Bevölkerung.

Die Türkei ist eine pluralistische Demokratie - die türkische Außenpolitik bezieht sich auf die Grundwerte der Türkei als einem demokratischen, laizistischen und sozialen Rechtsstaat.

Die Türkei pflegt starke, strategische Partnerschaften mit den Ländern Westeuropas und ist über gemeinsame Geschichte und Kultur eng mit den Ländern des Balkans, des Nahen und Mittleren Ostens und Zentral -und Nordafrikas verbunden. Sie strebt den Aufbau weiterer Partnerschaften mit neu-entstehenden Mächten in Subsahara-Afrika, dem asiatisch-pazifischen Raum und Lateinamerika an.

Die bedeutendsten Handlungsfelder türkischer Außenpolitik
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Im Folgenden möchte ich nun über die Beziehungen der Türkei zu folgenden Ländern und Regionen sprechen:

• Europäische Union
• USA
• Die Russische Föderation
• Balkan
• Naher und Mittlerer Osten
• Kaukasus
• Zentralasien
• Afrika

Die Türkei und die Europäische Union
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Mein Land ist sowohl in politischer, als auch in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht Teil der Entwicklungen des europäischen Kontinents und untrennbar mit diesem verbunden.

Seit 1999 ist die Türkei offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union und seit 2005 werden Verhandlungen geführt. Obwohl diese teilweise nur schleppend vorangehen, streben wir weiterhin die EU-Vollmitgliedschaft an.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist die Türkei schon in den europäischen Markt integriert. Die Europäische Union ist unser wichtigster Handelspartner - 2010 betrug der Anteil der Länder der Europäischen Union am türkischen Außenhandelsvolumen rund 42 Prozent. Ein Großteil aller Direktinvestitionen, die in der Türkei getätigt werden, stammt aus den Ländern der Europäischen Union. Von den rund 26.000 in der Türkei tätigen Unternehmen mit ausländischem Kapital kommen rund 13.600 aus dem europäischen Raum. Deutschland und im besonderen Baden-Württemberg spielen hier eine bedeutende Rolle: Das türkisch-deutsche Handelsvolumen erreichte im vergangenen Jahr rund 29 Milliarden US$, das Handelsvolumen zwischen Baden-Württemberg und der Türkei rund fünf Milliarden Euro.

In Europa leben rund fünf Millionen Menschen türkischer Herkunft – davon allein drei Millionen in Deutschland. Sie sind eine verlässliche Grundlage künftiger, zwischenstaatlicher Beziehungen. Wir ermuntern die türkische Gemeinde, sich einzubringen und sowohl im politischen, als auch im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben dieser Länder Verantwortung zu übernehmen ohne dabei die eigene Sprache und kulturelle Identität zu verlieren.

USA


Die bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert. 1830 schlossen das Osmanische Reich und die Vereinigten Staaten von Amerika ein Handelsabkommen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelten sich die bilateralen Beziehungen dennoch nur schleppend. Zwischen 1917 und 1927 wurden alle diplomatischen Beziehungen unterbrochen, da beide Länder unterschiedliche Kriegsparteien unterstützten. 1927 nahmen die Türkei und die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf und bauten diese sowohl während, als auch nach dem zweiten Weltkrieg weiter aus.
Heute sind unsere beiden Länder verbündet und arbeiten in vielen Bereichen und in Bezug auf viele Regionen eng zusammen. Wir haben gemeinsame Interessen und Ziele im Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika, dem Kaukasus, dem östlichen Mittelmeerraum und Zentral- und Südostasien. Außerdem stehen wir in engem Kontakt bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus, der Energiesicherheit oder der wirtschaftlichen Entwicklung. Als NATO-Partner stützt sich unsere Zusammenarbeit auf gemeinsame Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Marktwirtschaft.
2009 stattete Präsident Barack Obama der Türkei seinen ersten offiziellen Besuch ab und bezeichnete die amerikanisch-türkischen Beziehungen als “vorbildlich”. Im Dezember 2009 reiste der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan in die Vereinigten Staaten. Während dieses Besuches wurde ein Rahmenabkommen über handelspolitische und wirtschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Das erste Treffen auf Ministerebene fand im Oktober 2010 in Washington statt und gipfelte in der Unterzeichnung einer Erklärung zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit zwischen beiden Regierungen.

Die russische Föderation

Sowohl die Türkei, als auch Russland vereinen Elemente der europäischen und der asiatischen Geographie, Geschichte und Kultur. Dies eint beide Länder. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Türkei gehen auf eine formale Anfrage Ivans III aus dem Jahre 1492 zurück, der eine Delegation nach Istanbul entsandte.
Diese Beziehungen entwickelten sich über viele Jahrhunderte, doch mit dem Ende des Kalten Krieges gewannen sie an Tiefe. Beide Länder unternahmen Schritte, um Vertrauen und gute nachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen.
1992 besuchte Hikmet Çetin als erster türkischer Außenminister die Russische Föderation und noch im selben Jahr unterzeichneten der damalige türkische Premierminister Demirel und die russische Föderation einen Vertrag über die Beziehungen zwischen der Türkei und der Russischen Föderation. Dieser Vertrag ist noch heute die Grundlage der türkisch-russischen bilateralen Beziehungen und umfasst grundlegende Werte wie die Achtung politischer Unabhängigkeit, Souveränität und territorialer Integrität oder die gleichwertige Behandlung von Einzelinteressen.
2001unterzeichneten die Außenminister beider Länder in New York den “Joint Action Plan for Cooperation in Eurasia”. In Anbetracht der großen Umwälzungen unserer Zeit kann die Vertiefung und Festigung der türkisch-russischen Beziehung zu nachhaltigen, friedlichen und politischen Lösungen in der gesamten eurasischen Region beitragen.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Türkei und der Russischen Föderation sind eine Grundlage ihrer bilateralen, politischen Beziehungen. Das Handelsvolumen beider Länder erreichte mehr als 30 Milliarden Dollar. Neben Deutschland ist Russland damit einer der wichtigsten Handelspartner meines Landes. Ein besonderes Wachstum konnte in den vergangenen Jahren die Tourismusbranche verzeichnen. Kamen 1999 noch weniger als 500.000 russische Touristen in die Türkei, verbrachten 2007 bereits mehr als 2,4 Milliarden Russen ihren Urlaub in meinem Land. Am 3. Dezember 2012 kam der russische Präsident Wladimir Putin zu einem offiziellen Besuch in die Türkei und die russisch-türkischen Beziehungen wurden erneuert.

Balkan

Viele Menschen türkischer Herkunft leben auf dem Balkan und viele Menschen, die ursprünglich aus dem Balkan stammen, leben in der Türkei. Dieses Netzwerk menschlicher Beziehungen führt dazu, dass sich Entwicklung auf dem Balkan unmittelbar auf mein Land und seine Menschen auswirken. Daher sind die Sicherung und der Erhalt von Frieden, Stabilität und Wohlstand auf dem Balkan essentiell. Der Weg hin zu stabilen Verhältnissen in den Balkanstaaten führt über deren internationale Integration und Mitgliedschaft in internationalen Bündnissen wie der NATO und der EU.

Naher und Mittlerer Osten

Mit den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens ist die Türkei geschichtlich und kulturell eng verbunden. Zudem hat die Türkei mit vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens gemeinsame Grenzen und alle Entwicklungen der Region haben unmittelbaren Einfluss.

Mustafa Kemal Atatürk prägte den politischen Leitsatz: „Frieden im Lande, Frieden in der Welt“. Ganz im Sinne Atatürks ist die außenpolitische Vision meines Landes in Bezug auf seine direkten Nachbarn bleibender Friede und die Gewährleistung eines nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwungs. Wir setzen auf Dialog, den Ausbau bilateraler, guter nachbarschaftlicher Beziehungen und die Vertiefung institutioneller Zusammenarbeit.

An dieser Stelle möchte ich auf die jüngsten Umstürze in den arabischen und nordafrikanischen Ländern zu sprechen kommen. Die gesellschaftlichen Bewegungen im Nahen und Mittleren Osten und in Nordafrika sind Ausdruck der berechtigten Forderungen der Völker dieser Länder. Sie dürfen nicht unbeachtet bleiben, denn sie sind seit langem überfällig. Jegliche Gewalt muss vermieden werden. Wir bestehen auf dem Erhalt der Souveränität und der territorialen und politischen Einheit aller betroffenen Staaten. Es dürfen weder ethnische, noch konfessionelle Spaltungen stattfinden. Wir begrüßen es, dass in einigen Ländern bereits Wahlen stattgefunden haben und sind immer bereit, eigene Erfahrungen zu teilen. Die Türkei ist jedoch kein Vorbild, denn jedes Land muss seinen eigenen, individuellen Weg gehen.

Kaukasus

Mit den Ländern des südlichen Kaukasus verbindet uns eine besondere, kulturelle Nähe. Zudem teilen wir im Hinblick auf unsere geographische Lage die Eigenschaft eines Energietransportkorridors. Besonders ausgeprägt sind unsere bilateralen Beziehungen mit Aserbaidschan und Georgien. Angesichts schwelender Konflikte wie in Bergkarabach, Abchasien oder Süd-Ossetien stehen neben der Entwicklung kultureller und politischer Zusammenarbeiten jedoch auch die Sicherung von Frieden und Stabilität im Fokus der türkischen Außenpolitik und wir unterstützen die Integration der Kaukasus-Länder in Euro-Atlantische Bündnisse.

Zentralasien

Die Unabhängigkeit der zentralasiatischen Republiken eröffnete der türkischen Diplomatie neue Handlungsfelder – auf der Grundlage sprachlicher und kultureller Gemeinsamkeiten entwickeln sich Beziehungen schnell.

1992 initiierte die Türkei das “Gipfeltreffen Turksprachiger Länder”, das Solidarität stärken und Kooperationen fördern soll. Mit der Unterzeichnung des Vertrages von Nakhichevan am 3. Oktober 2009 erhielt diese Konferenz in Form eines gemeinsamen Rates aller turksprachigen Länder institutionellen Charakter.

2010 lag das Handelsvolumen der Türkei mit den Ländern Zentralasiens bei rund 6,5 Milliarden Dollar und die Investitionen türkischer Unternehmer in dieser Region erreichten rund 4,7 Milliarden Dollar. Der Gesamtwert aller Großprojekte, die von türkischen Firmen bislang getätigt wurden, liegt bei rund 30 Milliarden Dollar. Beinahe 2.000 türkische Firmen sind in den Ländern Zentralasiens tätig.

1993 wurde die Internationale Organisation Türkischer Kultur „TURKSOY“ gegründet. Sie soll die Türkische Kultur, Kunst und Sprache bewahren und an junge Generationen weitergeben. In diesem Zusammenhang darf ich auch erwähnen, dass die Türkei ein breitangelegtes Studienaustauschprogramm anbietet.

Die Türkei ist ob der Entwicklung radikaler und krimineller Bewegungen besorgt. Zur Bekämpfung des Terrorismus stellt sie daher sowohl finanzielle Mittel, als auch militärische Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das langfristige Ziel der Türkei ist die Stärkung demokratischer, rechtsstaatlicher Strukturen und die Integration der Zentralasiatischen Länder in die Internationale Gemeinschaft.

Afrika

Unsere Beziehungen mit den afrikanischen Ländern sind traditionell gut und werden auf politischer, wirtschaftlicher, kommerzieller und kultureller Ebene weiter ausgebaut.

In Bezug auf den afrikanischen Kontinent folgt die türkische Außenpolitik einem umfassenden und ganzheitlichen Verständnis: Wir leisten technische Unterstützung, Projekthilfe bei der Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen, der landwirtschaftlichen Entwicklung, der Bewässerung, der Energieversorgung, der Bildung und der regulären Bereitstellung humanitärer Hilfe.

Um Frieden und Stabilität zu sichern beteiligt sich die Türkei zudem auch an den Missionen der Vereinten Nationen, die in Afrika stationiert sind. Im Moment stellt die Türkei Personal sowie Finanzhilfen für sechs der insgesamt acht UN-Missionen in Afrika.

Vom 18. bis zum 21. August 2008 fand in Istanbul das Türkei-Afrika Gipfeltreffen statt, an dem insgesamt 49 afrikanische Länder teilnahmen. Sie verabschiedeten eine Erklärung zur türkisch-afrikanischen Partnerschaft, Zusammenarbeit und Solidarität. Das zweite Afrika-Türkei Gipfeltreffen ist für 2013 geplant.
Ein weiterer Ausdruck des gesteigerten Interesses der Türkei an einer türkisch-afrikanischen Kooperation ist der Entschluss, mehr als 15 neue Botschaften zu eröffnen. Bislang verfügt die Türkei über 20 Botschaften in Afrika, von denen sich alleine 15 in Subsahara-Afrika befinden.

Ziele
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ich möchte meine Ausführungen nun mit einem kurzen Blick in die Zukunft abschließen:

Bis zum Jahr 2023, dem 100. Geburtstag der Republik Türkei möchte mein Land:

1) Eine der weltweit 10 stärksten Volkswirtschaften sein,
2) ein Bruttoinlandsprodukt von 2 Milliarden Dollar haben,
3) ein jährliches Außenhandelsvolumen von 1 Milliarden Dollar erwirtschaften
4) rund 50 Millionen Touristen pro Jahr aufnehmen
5) mindestens 30 Millionen Menschen in aktiver Beschäftigung sehen
6) und jede Bürgerin und jeden Bürger sozialversichert wissen.

Ich weiß, dass diese Ziele ehrgeizig sind, doch sie sind auch realistisch. Wir werden heute die richtigen Entscheidungen treffen und Schritte unternehmen, um die Zukunft unseres Landes entsprechend zu gestalten.

Meine Damen und Herren,

ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick verschaffen. Sollten Sie Fragen oder Diskussionspunkte haben, stehe ich Ihnen jetzt gerne zur Verfügung.

Vielen Dank.

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25.12.2018 Dini Tatil-1. Noel günü
26.12.2018 Dini Tatil-2. Noel günü
1.1.2019 Yılbaşı Tatili
19.4.2019 Dini Tatil- Paskalya Arifesi
22.4.2019 Dini Tatil- Paskalya
1.5.2019 İşçi Bayramı
30.5.2019 Dini Tatil-Hz. İsa'nın Göğe Yükselişi
4.6.2019 Ramazan Bayramı 1. günü
10.6.2019 Dini Tatil-Küçük Paskalya
20.6.2019 Dini Tatil - Yortu Bayramı
3.10.2019 Doğu ve Batı Almanya'nın Birleşmesi
29.10.2019 Cumhuriyet Bayramı
1.11.2019 Dini Tatil
25.12.2019 Dini Tatil-1. Noel Günü
26.12.2019 Dini Tatil-2. Noel Günü